Kohlmeise


Der Gesang der Kohlmeise


Der Gesang der Kohlmeise – Erklärt von Lucy Lapwing ❤


Der Gesang der Kohlmeise – Erklärt von Ben Porter

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Amsel, Drossel, Fink und Star… Es ist Januar und noch keiner von denen ist zu hören? Was ist da los? Die Balzzeit vieler Vögel noch weit entfernt. Die beginnt bei den meisten Arten erst im März/April mit Balz, Paarung, Nestbau und Eiablage. Nur wenige Vögel sind auch jetzt im Winter zu hören, eigentlich die optimale Zeit um mit der Vogelstimmenkunde zu beginnen. Es singt nur eine Handvoll Arten, darunter konnte man in der letzten Woche neben der Kohlmeisen noch Kleiber, Blaumeise, Tannenmeise, Rotkehlchen und den Grünfink hören. Außerdem trommeln verschiedene Spechte und wenn es dunkel wird rufen die Eulen und Käuze.

Die Kohlmeise singt fröhlich „didä didä didä“ oder besser gesagt „Frühling – Frühling – Frühling“. Das ist aber nur einer ihrer vielen Gesänge, denn eigentlich hat sie gefühlt 100 verschiedene Lautäußerungen parat. Reviergesang, Kontaktrufe, Warnrufe, Flugrufe und dazu noch nachgemachte Laute anderer Vögel. Selbst erfahrene Vogelstimmenkenner werden von ihr hinters Licht geführt. An alle Vogelstimmenbegeisterten: Nehmt Euch am Anfang die leichten Vogelarten, wie z.B. den Zilpzalp vor, und fangt nicht mit dem Gesang der Kohlmeise an!

Vielleicht ist die Gesangsvielfalt der Meise auch ein Indiz für ihre Intelligenz? Diese ist bei den Kohlmeisen recht gut untersucht seitdem die Vögel in den 1920er Jahren in England lernten die Aludeckel der Milchflaschen zu öffnen, die damals noch morgens mit der Zeitung vor die Haustüre gestellt wurden. Irgendwann fand eine der Kohlmeisen heraus, dass man durch das Aufpicken des Alus an die hervorragende oberste Schicht aus frischer Sahne gelangt. Innerhalb von wenigen Jahren breitete sich dieses Verhalten in ganz England aus, weil einfach eine Meise von der anderen lernte.

Lucy Alpin von der University of Oxford untersuchte erst kürzlich dieses „Abschauverhalten“ und führte eine trainierte Meise in eine Gruppe von Nichtwissenden ein. In kurzer Zeit lernten die Laien, allein durch Beobachten, das Öffnen einer kleinen Futterbox.

Apropos Füttern und England. Die Engländer sind Weltmeister im Füttern und üben dadurch massiven Einfluss auf das Verhalten vieler Vogelarten aus. Bei der Kohlmeise geht das so weit, dass sich sogar ihre Schnabelform verändert. Englische Kohlmeisen haben einen signifikant längeren Schnabel als die Kohlmeisen vom europäischen Festland weil sie sich an die runde, tiefe Öffnung der häufig benutzten Futterspender anpassen. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten fand somit eine vom Menschen verursachte Evolution statt.